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Winterthur 2008

Mein Bericht für die Zeitschrift "Living with Beagles":

 Dogdance mit Beagle : Humor und Improvisation

 Eigentlich war für diese Ausgabe ein Turnierbericht über Dogdance mit Beagle geplant, eigentlich. Nachdem das Turnier stattgefunden hat und ich also darüber berichten möchte, fällt mir etwas Anderes ins Auge. Und zwar was wir unseren Vierbeinern zu verdanken haben.

Aber von vorne… Am Freitag, den ersten Februar hatte ich Lou und mich zur Funklasse des größten europäischen Dogdance-Turniers angemeldet: Winterthur in der Schweiz. Das Turnier findet zeitgleich mit der Messe „Hund“ statt, was wiederum genug Shoppingmöglichkeiten bietet. Da wir „Wiederholungstäter“ sind, also schon des Öfteren in Winterthur gestartet waren, war ich ziemlich entspannt und vertraute meinem Beaglechen. Und dieses Vertrauen ist wirklich etwas wert, jeder der schon mal mit seinem Beagle in der Öffentlichkeit stand und dann genau im entscheidenden Moment völlig alleine da stehen gelassen wurde, weiß dass solch ein Vertrauen unbezahlbar ist…. Oder sagen wir besser, dass die Gefahr wie der größte Trottel dazustehen bei einem Beagle immer präsent ist.

Soweit so gut. Der formelle Ablauf gestaltete sich unkompliziert. Für uns Dogdancer waren zwei große Garderoben reserviert, in den die Hunde sich fernab vom Messerrummel entspannen konnten. Ich begab mich also zur Musikabgabestelle, wo ich eine Startnummer erhielt und im Gegenzug Musik, Infobogen und Lizenz abgab. Der Infobogen ist dabei für den Sprecher des Turniers gedacht, der vor dem Start Informationen über die Teams vorträgt, zum Beispiel Anekdoten oder wie man zum Dogdance kam. Die Lizenz bekommt man am Ende des Turniers zurück, gemeinsam mit dem Bewertungsbogen und der Unterschrift der Richter.

Nachdem also all’ das Organisatorische geklärt war, begab ich mich mit Lou auf einen schönen Waldspaziergang. Um 13.00 Uhr sollte es dann weitergehen. Die allgemeine Einführung stand bevor. Claudia Moser, die mit ihrem Team das Projekt Dogdance-Turnier stemmte, hielt die Einführung in deutsch, englisch und französisch. Es wurde also der Ablauf erklärt, unter anderem wer wann in den Vorbereitungsring darf. Der Vorbereitungsring befindet sich direkt neben dem Turnierring, hier hat man Platz und Zeit sich und seinen Hund vor dem Auftritt vorzubereiten bzw. aufzuwärmen.

Im Anschluss an die Einführung hatten alle Teams Zeit den Ring zu begehen. Dies soll den Hunden die Möglichkeit geben sich zu akklimatisieren. Ich nutze diese Möglichkeit bewusst ohne Lou. Er kennt die Atmosphäre in Winterthur bereits und ein Ring, indem sich mehr als 10 Hunde befinden, ist für uns eher kontraproduktiv. Für Prebeginners, also Teams, die zum allerersten Mal starten, ist eine Ringebegehung jedoch unerlässlich. Nunja, ich stand dann dort also alleine im Ring um die Ausrichtung und Raumaufteilung unserer Choreographie gegebenenfalls anzupassen. Es muss sehr spassig ausgesehen haben, wie ich mich begleitet von verschiedenen Signalen für Lou, durch den Ring bewegt habe. Nicht dass der Eindruck entsteht, so etwas sei unabdingbar. Es ist nur so, dass ich, seit ich auch eine Richterausbildung abgeschlossen habe, vermehrt auf solche Dinge bei mir selbst achte. Man hat dann doch höhere Ansprüche J

Lou hielt derweil ein Schläfchen im Auto. Da unsere Startzeit auf 17.00 Uhr angesetzt war, hatte ich noch die Gelegenheit mir das Turnier anzuschauen und mit den Richtern, die gerade frei hatten zu plaudern. Und nicht zu vergessen, der schweizer Beaglefanclub, der eigens angereist war. Die Schweizer Mädels versorgten mich mit „Schoggi“ und hielten bis zum Ende zur Stange mit Foto und Videoaufnahmen. Ich muss ja zugeben, dass ich eigentlich nur auf Turniere gehe, um all’ die lieben Bekannten weder zu sehen.

Nun gut, ich wurde so langsam unruhig. Unsere Startzeit war auf 17.30 Uhr nach hinten verlegt worden. Um 17.00 Uhr zog ich mich für den Auftritt um. Danach musste ich noch zum Auto laufen, Lou ausgiebig pieseln und schnüffeln lassen, um mich dann zum Vorbereitungsring zu begeben. Ich bemaß die Zeit bewusst recht knapp, um den Adrenalinspiegel so niedrig wie möglich zu halten. Im Gegensatz zu anderen Teams übten wir im Vorbereitungsring nicht noch mal gezielt. Wir warteten einfach, das scheint mir erfahrungsgemäß für uns die beste Strategie. Oder sagen wir so: ich wartete. Lou gebärdete sich aufgrund des Rinderherzes, das seine Belohnung werden sollte, sehr arbeitsfreudig und spulte sein Trickrepertoire ab. Dann erhielt das Team vor uns seine mündliche Beurteilung durch die Richter. Es ging also langsam los. Das Team kam aus dem Ring. Ich deponierte Lou’s Jackpotschüssel gefüllt mit wohlriechendem Rinderherz hinter der Ringabsperrung. Danach streifte ich ihm sein Geschirr ab und legte es daneben. Und los gings… ich spurtete ein bisschen mit ihm durch den Ring und er bekam kurze Zwischenbelohnungen. Lou war hochmotiviert. Wir liefen eine kurze Fussarbeitsequenz, die mich im Hundeausbildungshimmel schweben ließ. Dieser kleine Knilch, vor zwei Jahren nicht dazu fähig das Riechorgan länger als 30 Sekunden vom Boden zu lösen, trabte freudestrahlend neben mir und suchte selbstständig Kontakt zum Bein…und das obwohl im Laufe des Tages bestimmt schon 30 Hunde mit ihren Menschen hier getanzt und die verschiedensten Leckerchen erhalten hatten. Ich war absolut baff.

Wir begaben uns auf unsere Startposition. Geplant war diagonal von der einen zur anderen Ecke zu laufen, Lou vor mir her, sozusagen als Einmarsch. So war es geplant… die Realität sah anders aus. Unser Lied war nicht abspielbar, was die Musikfrau ganz schön ins Schwitzen brachte. Ich löste unsere Pose auf und belohnte den freudig herumtänzelnden Lou. Ratlosigkeit stand allen ins Gesicht geschrieben. Ich brach dann ab um die Ersatz-CD zu holen. Natürlich erhielt Lou seinen Jackpot, zu dem er auf Signal hin voller Enthusiasmus hinflitzte und die Schüssel leerte. Ich streifte ihm das Geschirr über, drückte die Leine einer Bekannten in die Hand und rannte zur Garderobe um die andere CD zu holen. Währenddessen hatte ich mit dem nächsten Starter vereinbart ob er nicht schon starten wolle, um das Warten für die Zuschauer zu begrenzen. Und so machte er es dann auch. Ich kam dann also mit meiner Ersatz-CD zurück, doch auch diese wollte trotz eines anderen Formats nicht laufen. Während Lou mir bei meinen Bemühungen entgeistert hinterher sah, versuchten Claudia Moser und ich die CD über den Computer abzuspielen. Das klappte prima – nur leider hatte die Stereoanlage keinen Anschluss um den Computer anzuschließen. Diese Möglichkeit fiel also aus. Nach langem Hin und Her und dem Brennen mehrerer CDs entschloss ich mich spontan dazu, einfach ein Lied aus Claudias Repertoire zu wählen. Diese Art des spontanen Improvisierens ist auch unter dem Namen „Lucky Dip“ also „Glücksgriff“ als Turnierklasse bekannt. Ich sollte dann im Anschluss an den letzten Starter der Funklasse drankommen. Da das noch längere Zeit dauerte, brachte ich Lou zur Entspannung wieder ins Auto wo er sich genüsslich schlafen legte. Mein Kostüm hatte ich dabei die ganze Zeit an.. es ist ja auch nicht ungewöhnlich in schneeweißer Sommerkleidung in der Schweiz den Februar zu verbringen, oder?

Nun kam also der Moment der Wahrheit. Ich stand mit Lou im Ring, sein Jackpot war platziert. Lou war sehr motiviert, jedoch nicht so, wie zuvor… Und da starteten wir also auf ein spanisches Lied von Juanes, das ich nur grob aus dem Radio kannte. Abgesehen von einer kurzen Zeitspanne, die Lou damit verbrachte fasziniert das Rinderherz außerhalb des Ringes zu hypnotisieren, war er freudig und aufmerksam dabei. Heute kann ich nicht einmal mehr sagen, welche Tricks wir denn gezeigt haben… ich habe nur noch Einzelsequenzen im Kopf: spanischer Schritt, Rückwärtskriechen, und Sprung durch die Beine. Es ist schon merkwürdig, wie sich das Bewusstsein in manchen Situation abzuschalten scheint und man nur noch irgendetwas tut. Naja, und wir haben uns eben von der Musik treiben lassen. Nach einer gewissen Zeit, gab ich Lou das Signal, dass er sich nun den Jackpot abholen darf. Ich war wohl sichtlich erleichtert, worüber meine Richterkollegen herzhaft lachten. Unser Feedback war sehr positiv. Und was mich besonders freut: in den Kategorien Teamwork und Fluss erhielten wir die Bestnote, waren dies doch unsere „Sorgenkinder“, durch Lou’s frühere Unaufmerksamkeit.

Ich glaube ich lief den verbleibenden Tag über mit einem riesen Grinsen im Gesicht durch die Halle. Und mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass Lou heute zweimal Höchstleistung gezeigt hatte, und das erste Mal fast schon übermotiviert war. Das einmal von meinem Beaglechen sagen zu dürfen, ließ mein Herz hüpfen. Vielleicht wurde ich auch deswegen so oft auf den tanzenden Beagle angesprochen.

Sehr viele bedauerten unser Musikproblem. Das zeigt wiedereinmal die tolle Atmosphäre unter uns Tänzern :) Und ich musste feststellen, dass mich das gar nicht so sehr betroffen gemacht hat. Klar, es war schade, aber irgendwie war es nebensächlich. Und dann fiel mir auf, warum das so ist. Ich glaube, das ist einfach so weil ich  einen Beagle habe. Diese kleinen Kerlchen lehren es uns nicht alles so ernst zu nehmen. Denn würden wir das, hätten längst viele von uns einen Nervenzusammenbruch, bei all’ der Erziehungsarbeit die dann noch nur hin und wieder fruchtet. Ich glaube, dass man als Beaglehalter entspannter und toleranter wird… sozusagen Improvisationskünstler. Sehr treffend finde ich dazu den Satz meiner italienischen Richterkollegin Jacky Beninni: „He’s a myth! (Er ist ein Mythos)“. Sie bezog sich dabei auf Lou’s Auftritt. Und von niemandem hätte ich dieses Kompliment so geschätzt, wie von ihr. Sie hat nämlich selbst auch einen Beaglesturkopf daheim auf dem Sofa sitzen. Sie weiß also, was hinter einem freudig zum Halter hin orientiert arbeitendem Beagle für Arbeit steckt...

 

Slalom Spanischer Schritt

Canter

Sidewalk Side

Between rückwärts Kriechen

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